Hey fkk-jugend! So kommt Ihr mir vor
Hier ist ein echtes Highlight,
ein Bericht, der sich wirklich lohnt gelesen zu werden und immer zeitgemäß ist.
Hey fkk-jugend! So kommt Ihr mir vor:
Von Katrin Beuermann (LV Mitte)
"Eis am Stiel, nackt am Strand - ja da hat man imposant - Hose runter, trallala, ja das ist FKK…!"
So wie die Sänger der Band "Die Doofen" dachte ich das auch immer: FKK, das heißt eben nackt sein. Bis zum ersten Maiwochenende in Oberwesel. Verbandstag des DFK und in diesem Rahmen dazu das Seminar "soziale Talente - Geschichte und Zukunft der fkk-jugend"
Ich war dabei. Ich, die außer Sauna und einem unfreiwilligen FKK-Strand-Besuch eigentlich nicht viel mit bewusster Nacktheit am Hut hat. Die zwar nicht verklemmt ist, aber die auch nicht nackt über den Flur ins Badezimmer geht, wenn es denn nicht unbedingt sein muss. Und die dort keinen kannte außer Sebastian (LV Mitte). Was sich schnell änderte.
Ich möchte gar nicht auf den Inhalt des Wochenendes eingehen. Auf keine Themen, die besprochen wurden, nicht auf das vielseitige Programm und nicht auf das leckere Essen. Ich möchte einfach die Gelegenheit nutzen, als eine "Nicht-Dazugehörende" zu reflektieren, wie die FKK auf Außenstehende wirkt. Auf Außenstehende, die sich darauf einlassen, die fkk-jugend kennen zu lernen. Denn ich weiß, dass es auch viele gibt, die von vorneherein lächelnd abwinken und FKK'ler als unseriöses oder etwas durchgeknalltes Völkchen abstempeln. Und ich habe gelernt, dass diese durch diese Haltung eine wichtige Erfahrung nicht machen: Die Erfahrung, was es wirklich heißt, ein FKK-Begeisterter zu sein.
Man kann es nicht richtig beschreiben. Ich habe keine außergewöhnlichen Menschen kennen gelernt. Keine, die es anderswo nicht auch geben wird. Und natürlich hat es auch hier Reibereien und Unstimmigkeiten gegeben. Aber trotzdem war die Atmosphäre, die ich genießen durfte, einzigartig.
Fröhlichkeit. Offenheit. Unvoreingenommenheit. Sich Zeit nehmen für sein Gegenüber. In Gemeinschaft arbeiten und dabei noch Spaß haben. Ideen einbringen und gerne in andere investieren. Mitdenken.
Gleichheit. Nackt sind alle gleich. Und obwohl ich eigentlich nur selten Nackte gesehen habe, so war es, als ob dieser Gedanke sich auf alles andere überträgt. Es ist egal, wer neben wem sitzt, wer mit wem was macht. Jedem wird mit gleicher Objektivität begegnet. Jeder hat die gleiche Berechtigung, da zu sein und seine Wünsche, Meinung und Gedanken zu äußern. Und trotzdem ist nicht alleine die Leistung des Einzelnen wichtig. Was rüberkommt, ist das Gemeinschaftsgefühl. Die Stärke, die man nur zusammen bekommt.
Zu all diesen Dingen kommt die Herzlichkeit und Offenheit, die gerade mir zuteil gebracht wurde. Ich kam neu in die Gruppe, keiner kannte mich, und doch war es für alle selbstverständlich, mich einzubeziehen, mir das Gefühl zu geben, dazuzugehören, willkommen zu sein. Wie oft wurde ich herzlich eingeladen, auf die 50-Jahr-Feier zu kommen und mit um INF-Sommercamp zu fahren.
Ich glaube, es ist die Menschlichkeit, welche die Räume durchflutet hat. Die Art, in den Anderen hineinzuschauen, ihm zu sagen, dass es OK ist, wie er ist. Den Mut zu haben, jedem seine Freiheiten zu geben, ohne Angst, dass man selbst dadurch eingeengt werden könnte. Nur selten habe ich Menschen so unbeschwert tanzen sehen wie die FKK'ler. Es ist atemberaubend, zu sehen, wie 12- bis 70-Jährige in einem Raum zusammen ausgelassen und fröhlich tanzen. Und dabei in ihre lachenden Gesichter zu schauen. Ich denke, es ist nicht nur das bewusste Körpergefühl, was man durch die Nacktheit bekommt, sondern auch die verstärkte Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit. Ja, ich kann so sein wie ich bin, ich kann zeigen, dass ich so bin und ich will es aller Welt mitteilen.
Nackt sein, das ist ein Stück frei sein. Frei von Zwängen, frei von Ängsten und frei von körperlichen Grenzen. Die Befreiung von den Kleidern ist der Anfang zur Befreiung der Seele.
Unterschleißheim, 21.05.2003
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